IT-Sicherheit in Kliniken: Warum Krankenhäuser ihre kritische Infrastruktur besser schützen müssen
Cyberangriffe auf Krankenhäuser haben in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. Gleichzeitig gelten viele Kliniken als kritische Infrastruktur – ein Ausfall ihrer IT kann die Versorgung von Patientinnen und Patienten unmittelbar gefährden. Der Druck, Informationssicherheit professionell zu organisieren, wächst: rechtlich, technisch und organisatorisch. Der folgende Beitrag ordnet zentrale Entwicklungen ein, zeigt typische Schwachstellen auf und skizziert, welche Maßnahmen Kliniken jetzt priorisieren sollten.
Gesundheitswesen im Fokus: Kliniken als kritische Infrastruktur
Krankenhäuser stehen zunehmend im Zentrum der IT-Sicherheitsdebatte. Als Teil der kritischen Infrastruktur sind sie für die Aufrechterhaltung der medizinischen Versorgung unverzichtbar. Fällt die IT in einer Klinik aus, sind nicht nur Verwaltungsabläufe betroffen, sondern oft auch Diagnostik, OP-Planung, Medikation oder die Kommunikation mit Rettungsdiensten.
Mit der Einstufung als kritische Infrastruktur gehen erhöhte Anforderungen an die IT-Sicherheit einher. Betreiber müssen nachweisen, dass sie angemessene technische und organisatorische Maßnahmen ergriffen haben, um Angriffe abzuwehren und Ausfälle zu verhindern. Dazu gehören etwa Notfallkonzepte, ein strukturiertes Risikomanagement sowie klare Verantwortlichkeiten innerhalb der Klinikorganisation.
Parallel verschärfen sich die gesetzlichen Rahmenbedingungen. Nationale und europäische Vorgaben verlangen von Einrichtungen im Gesundheitswesen, ihre digitalen Systeme kontinuierlich zu härten, Sicherheitsvorfälle zu melden und aus diesen Ereignissen zu lernen. Für viele Häuser bedeutet das einen tiefgreifenden Wandel in Planung, Betrieb und Überwachung ihrer IT-Landschaft.
Typische Schwachstellen: Von veralteten Systemen bis zur Vernetzung von Medizintechnik
Die IT-Sicherheit in Kliniken leidet häufig unter strukturellen Altlasten. In vielen Häusern laufen noch veraltete Betriebssysteme oder nicht mehr unterstützte Fachanwendungen, die aus medizinischen oder organisatorischen Gründen nicht ohne Weiteres abgelöst werden können. Solche Systeme sind anfällig für bekannte Sicherheitslücken und lassen sich nur eingeschränkt aktualisieren.
Hinzu kommt die zunehmende Vernetzung von Medizintechnik. Bildgebende Verfahren, Laborgeräte oder Infusionspumpen sind heute oft direkt an das Kliniknetz angebunden. Diese Geräte wurden ursprünglich nicht mit Blick auf Cyberresilienz entwickelt, sind teilweise schwer zu patchen und nutzen proprietäre Protokolle. Angreifer können solche Systeme als Einfallstor nutzen oder sie gezielt stören.
Auch organisatorische Defizite spielen eine Rolle. Fehlende Zugriffsregelungen, unklare Rollen und Berechtigungen oder unzureichend geschulte Mitarbeitende erhöhen das Risiko von Sicherheitsvorfällen. Phishing-Mails, unsichere Passwörter oder der unbedachte Umgang mit mobilen Datenträgern sind in vielen Häusern nach wie vor Alltag. Ohne verbindliche Richtlinien und regelmäßige Sensibilisierung bleibt die beste Technik wirkungslos.
Rechtliche Vorgaben und Standards: Orientierung für Kliniken
Für Krankenhäuser, die als kritische Infrastruktur eingestuft sind, gelten besondere Pflichten. Sie müssen nach anerkannten Standards nachweisen, dass sie angemessene Vorkehrungen zum Schutz ihrer IT-Systeme getroffen haben. Dazu zählen unter anderem Informationssicherheits-Managementsysteme, regelmäßige Sicherheitsüberprüfungen und dokumentierte Prozesse für den Umgang mit Vorfällen.
Orientierung bieten etablierte Normen und Rahmenwerke. Sie definieren Mindestanforderungen an Organisation, Technik und Dokumentation. Dazu gehören etwa Vorgaben zur Netzsegmentierung, zur Protokollierung sicherheitsrelevanter Ereignisse oder zur sicheren Anbindung externer Dienstleister. Kliniken, die solche Standards systematisch umsetzen, verbessern nicht nur ihr Sicherheitsniveau, sondern schaffen auch Transparenz gegenüber Aufsichtsbehörden und Partnern.
Besonders wichtig ist die Verzahnung von Datenschutz und Informationssicherheit. Gesundheitsdaten unterliegen einem hohen Schutzbedarf, gleichzeitig müssen sie im Klinikalltag schnell verfügbar sein. Ein ausgereiftes Berechtigungskonzept, Verschlüsselung sensibler Informationen und klare Regelungen zur Aufbewahrung und Löschung medizinischer Daten sind zentrale Bausteine, um rechtliche Vorgaben einzuhalten und das Vertrauen von Patientinnen und Patienten zu sichern.
Strategische Maßnahmen: Vom Notfallplan bis zum Security-Betrieb
Um IT-Sicherheit in Kliniken nachhaltig zu verankern, reicht es nicht aus, einzelne technische Lösungen einzuführen. Gefragt ist ein ganzheitlicher Ansatz, der Strategie, Prozesse und Technik miteinander verbindet. Ein zentrales Element ist ein umfassender Notfall- und Wiederanlaufplan. Er definiert, wie die Versorgung aufrechterhalten wird, wenn zentrale IT-Systeme ausfallen, und welche Schritte notwendig sind, um den Regelbetrieb kontrolliert wiederherzustellen.
Darüber hinaus benötigen Krankenhäuser klare Governance-Strukturen. Dazu zählen eine benannte Verantwortlichkeit für Informationssicherheit, definierte Eskalationswege sowie regelmäßige Risikoanalysen. Auf dieser Basis lassen sich Prioritäten setzen: Welche Systeme sind für die Patientenversorgung kritisch? Wo sind die größten Angriffsflächen? Welche Maßnahmen bringen den größten Sicherheitsgewinn bei vertretbarem Aufwand?
Technisch rücken Sicherheitsüberwachung und Reaktionsfähigkeit in den Vordergrund. Protokollierung, Angriffserkennung und strukturierte Incident-Response-Prozesse helfen, Angriffe frühzeitig zu erkennen und einzudämmen. Ergänzend sollten Kliniken externe Expertise einbinden, etwa für Penetrationstests oder Audits, um blinde Flecken aufzudecken und die eigene Sicherheitsarchitektur regelmäßig zu hinterfragen.
Mitarbeitende einbinden: Sicherheitskultur als Schlüsselfaktor
IT-Sicherheit in Kliniken ist nicht nur eine Frage von Firewalls und Verschlüsselung, sondern vor allem eine Frage der gelebten Praxis. Ärztinnen und Ärzte, Pflegekräfte, Verwaltungspersonal und IT-Abteilungen müssen gleichermaßen verstehen, welche Rolle sie beim Schutz der kritischen Infrastruktur spielen. Schulungen, klare Leitlinien und niedrigschwellige Meldewege für Auffälligkeiten sind dafür essenziell.
Regelmäßige Sensibilisierungsmaßnahmen zu Themen wie Phishing, Umgang mit mobilen Endgeräten oder sichere Passwörter tragen dazu bei, das Bewusstsein zu schärfen. Wichtig ist, dass Sicherheitsvorgaben praxistauglich sind und den Arbeitsalltag nicht unnötig erschweren. Nur wenn Mitarbeitende den Sinn hinter den Regeln erkennen und diese ohne großen Mehraufwand umsetzen können, entsteht eine tragfähige Sicherheitskultur.
Eine offene Fehlerkultur unterstützt diesen Prozess. Wer Verdachtsfälle ohne Angst vor Sanktionen melden kann, hilft, Vorfälle schneller zu erkennen und daraus zu lernen. So entwickelt sich Informationssicherheit schrittweise von einer reinen IT-Aufgabe zu einem gemeinsamen Anliegen der gesamten Klinik.
Fazit: IT-Sicherheit als Daueraufgabe im Klinikbetrieb
Krankenhäuser stehen vor der Herausforderung, ihre Rolle als kritische Infrastruktur ernst zu nehmen und IT-Sicherheit als strategische Daueraufgabe zu begreifen. Veraltete Systeme, komplexe Medizintechnik und steigende regulatorische Anforderungen machen den Handlungsdruck sichtbar. Gleichzeitig zeigen erfolgreiche Beispiele, dass sich mit klaren Strukturen, etablierten Standards und einer aktiven Sicherheitskultur das Risiko deutlich reduzieren lässt.
Wer frühzeitig in robuste Prozesse, geeignete Technologien und die Qualifizierung der Mitarbeitenden investiert, stärkt nicht nur den Schutz sensibler Gesundheitsdaten, sondern vor allem die Versorgungssicherheit. IT-Sicherheit wird damit zu einem integralen Bestandteil moderner Medizin – und zu einem entscheidenden Faktor für das Vertrauen der Öffentlichkeit in das Gesundheitswesen.
Quellen und weiterführende Informationen
- https://www.bsi.bund.de
- https://www.bundesgesundheitsministerium.de
- https://www.gesundheitswesen.de
- https://www.kbv.de
- https://www.dkgev.de
Quelle: Deutsches Ärzteblatt

