EU untersucht: Hat Google Nachrichten und Wetter in Android illegal bevorzugt?
Die Europäische Union nimmt erneut den US-Konzern Google ins Visier. Im Mittelpunkt steht diesmal der Verdacht, dass Google seine eigenen Dienste – insbesondere Nachrichten- und Wetterangebote – auf Android-Smartphones unzulässig bevorzugt. Die EU-Kommission hat dazu ein formelles Prüfverfahren eingeleitet und will klären, ob Wettbewerber systematisch benachteiligt wurden.
Auslöser der EU-Untersuchung gegen Google
Die EU-Kommission untersucht, ob Google Herstellern von Android-Geräten Vorgaben gemacht hat, die alternative Nachrichten- und Wetter-Apps vom Startbildschirm oder aus prominenten Bereichen verdrängen. Im Raum steht der Vorwurf, dass vorinstallierte Google-Dienste Nutzerinnen und Nutzer gezielt zu hauseigenen Angeboten lenken.
Nach Angaben der Brüsseler Behörde geht es insbesondere um die Platzierung und Voreinstellung bestimmter Google-Widgets und -Apps. Diese könnten so gestaltet sein, dass konkurrierende Dienste für aktuelle Meldungen, lokale Informationen oder Wetterdaten kaum eine Chance haben, ähnliche Sichtbarkeit zu erreichen.
Die Kommission stützt sich dabei auf das EU-Wettbewerbsrecht, das marktbeherrschende Unternehmen verpflichtet, ihre Macht nicht zum Nachteil anderer Marktteilnehmer auszunutzen. Ob Google gegen diese Regeln verstoßen hat, soll nun detailliert geprüft werden.
Fokus auf Nachrichten- und Wetterdienste
Im Zentrum der Untersuchung stehen Google-Angebote, die direkt auf dem Startbildschirm oder über Systemfunktionen von Android erreichbar sind. Dazu zählen insbesondere Nachrichten-Feeds und Wetter-Widgets, die vielen Nutzerinnen und Nutzern als erste Informationsquelle dienen.
Konkurrenten kritisieren seit Längerem, dass solche vorinstallierten Dienste faktisch als Standard gesetzt werden. Wer andere Apps für News oder Wetter etablieren will, müsse hohe Hürden überwinden, weil viele Anwender bei den voreingestellten Lösungen bleiben. Die EU-Kommission will daher klären, ob diese Praxis den Wettbewerb in den Bereichen digitale Nachrichten und Wetterinformationen einschränkt.
Für Medienhäuser und Anbieter spezialisierter Wetterdienste ist die Sichtbarkeit auf Smartphones ein zentraler Faktor, um Reichweite und Werbeeinnahmen zu sichern. Eine mögliche Benachteiligung durch die Android-Voreinstellungen hätte damit direkte wirtschaftliche Folgen.
Rechtsrahmen und mögliche Konsequenzen
Die Untersuchung reiht sich ein in eine Serie von EU-Verfahren gegen große Digitalkonzerne. Bereits in der Vergangenheit wurde Google wegen der Kopplung von Android mit anderen Diensten wie der Google-Suche und dem Chrome-Browser zu Milliardenstrafen verurteilt.
Stellt die EU-Kommission auch diesmal einen Verstoß fest, könnten erneut hohe Geldbußen verhängt werden. Zudem wären Auflagen denkbar, die Google zwingen, die Voreinstellungen auf Android-Geräten zu ändern und Wettbewerbern mehr Raum einzuräumen.
- Finanzielle Sanktionen bei nachgewiesenem Missbrauch einer marktbeherrschenden Stellung
- Strengere Vorgaben für die Platzierung von System-Apps und Widgets
- Verpflichtung zu mehr Auswahlmöglichkeiten für Nutzerinnen und Nutzer
Parallel dazu gilt seit 2023 der Digital Markets Act (DMA), der sogenannten Gatekeepern wie Google zusätzliche Pflichten auferlegt. Die laufende Untersuchung könnte auch als Testfall dienen, wie konsequent diese neuen Regeln angewendet werden.
Reaktion von Google und Bedeutung für den Markt
Google verweist in ersten Stellungnahmen üblicherweise auf die Vorteile seiner integrierten Dienste für Nutzerfreundlichkeit und Sicherheit. Der Konzern betont regelmäßig, dass Android-Hersteller und Endnutzer andere Apps installieren und verwenden können und dass der Markt für Nachrichten- und Wetterangebote weiterhin vielfältig sei.
Für den europäischen Digitalmarkt steht jedoch mehr auf dem Spiel als nur die Frage einzelner Apps. Es geht um die grundsätzliche Balance zwischen integrierten Plattformdiensten und fairen Chancen für unabhängige Anbieter. Je nachdem, wie die Kommission entscheidet, könnten sich die Startbildschirme und Standard-Einstellungen vieler Android-Geräte in Europa künftig deutlich verändern.
Brüssel signalisiert mit dem neuen Verfahren, dass die Bevorzugung eigener Dienste auf mobilen Betriebssystemen weiterhin genau beobachtet wird. Für Wettbewerber im Bereich digitaler Nachrichten und Wetterinformationen könnte ein strengeres Vorgehen der EU zusätzlichen Spielraum schaffen.
Quellen und weiterführende Informationen
- https://ec.europa.eu
- https://www.bundeskartellamt.de
- https://www.reuters.com
- https://www.ft.com
- https://www.heise.de
Quelle: Yahoo Nachrichten

