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Simsalasim für 10 Euro: Diese Länder sind dabei – und was vor dem Start noch offen ist

Zehn Euro im Monat, unbegrenzte mobile Daten in rund 100 Ländern und zusätzlich Telefonie sowie SMS in etwa 50 Staaten: Das Versprechen von Simsalasim klingt eher nach Kampfansage als nach einem gewöhnlichen Mobilfunktarif. Hinter dem neuen Anbieter steht Xing-Gründer Lars Hinrichs, der bis 2025 mehr als elf Jahre im Aufsichtsrat der Deutschen Telekom saß.

Am 6. Oktober sind nun neue Details bekannt geworden. Eine von BILD veröffentlichte Länderliste zeigt erstmals konkret, wo der 10-Euro-Tarif für mobiles Internet gelten soll. Die Liste ist spannend – sie macht aber auch deutlich, dass vor dem regulären Marktstart noch einige wichtige Tariffragen offen sind.

Was Simsalasim für 10 Euro verspricht

  • 10 Euro monatlicher Grundpreis
  • unbegrenzte mobile Daten in rund 100 Ländern und Gebieten
  • Telefonie und SMS in rund 50 Ländern
  • Bereitstellung ausschließlich per eSIM
  • Aktivierung nach bisherigen Angaben innerhalb von etwa 30 Sekunden
  • keine Anschlussgebühr und keine versteckten Zusatzkosten beim Grundtarif
  • zusätzliche KI-Funktionen sollen optional extra kosten

Wichtig: Der Tarif ist öffentlich noch nicht vollständig dokumentiert. Auf der Simsalasim-Webseite können sich Interessenten derzeit weiterhin für den Start vormerken lassen. Vollständige Tarifbedingungen, Produktinformationsblätter und eine öffentlich bestätigte Fair-Use-Regel sind noch nicht verfügbar.

Die Daten-Länderliste enthält 101 Länder und Gebiete

Die jetzt veröffentlichte Liste enthält beim Nachzählen 101 Länder und Gebiete. Die Formulierung „rund 100 Länder“ passt also. Bemerkenswert ist vor allem, dass Simsalasim weit über die EU hinausgehen will: USA, Türkei, Schweiz, Japan, Thailand, Australien, Mexiko, Brasilien, Südafrika und viele weitere Reiseziele sind enthalten.

Alle 101 Länder und Gebiete für mobiles Internet anzeigen

Afghanistan, Albanien, Algerien, Argentinien, Armenien, Australien, Österreich, Bahrain, Bangladesch, Belarus, Belgien, Brasilien, Bulgarien, Kambodscha, Tschad, Chile, China, Kolumbien, Costa Rica, Kroatien, Zypern, Tschechien, Dänemark, Dominikanische Republik, Deutschland, Ecuador, Ägypten, El Salvador, Estland, Färöer, Fidschi, Finnland, Frankreich, Gabun, Georgien, Ghana, Griechenland, Guadeloupe, Guatemala, Honduras, Hongkong, Ungarn, Island, Indien, Indonesien, Irland, Israel, Italien, Japan, Kasachstan, Kuwait, Kirgistan, Lettland, Liechtenstein, Litauen, Luxemburg, Macao, Malaysia, Malta, Mexiko, Moldau, Mongolei, Montenegro, Myanmar, Niederlande, Neuseeland, Nicaragua, Niger, Nordmazedonien, Norwegen, Pakistan, Paraguay, Peru, Philippinen, Polen, Portugal, Puerto Rico, Republik Kongo, Réunion, Rumänien, Serbien, Singapur, Slowakei, Slowenien, Südafrika, Südkorea, Spanien, Sri Lanka, Schweden, Schweiz, Taiwan, Tadschikistan, Thailand, Tunesien, Türkei, Ukraine, Großbritannien, USA, Uruguay, Usbekistan und Vietnam.

Kanada fehlt ausgerechnet bei den mobilen Daten

Die auffälligste Lücke ist Kanada. Das Land steht nicht auf der Liste für unbegrenztes mobiles Internet. Nach den bislang veröffentlichten Informationen sind die Konditionen dort für Simsalasim noch zu teuer. Kunden sollen aber nicht komplett ohne Internet bleiben: Für Kanada und weitere nicht enthaltene Länder sind zusätzliche Datenpakete geplant, die direkt über die App gebucht werden können.

Interessant ist der Unterschied zur zweiten Liste für Telefonie und SMS. Dort soll Kanada bereits enthalten sein. Zu den bislang genannten Ländern gehören außerdem Deutschland, USA, Australien, Brasilien, Indien, Mexiko, Großbritannien, Frankreich, Spanien und Italien. Daten-Roaming und klassische Telefonie werden bei Simsalasim also offenbar nicht in jedem Land identisch behandelt.

Smartphone vor einem Flugzeugfenster – mobiles Internet per eSIM ist besonders für Reisen interessant
Symbolbild: Valeria Kodra / Unsplash

Simsalasim ist regulatorisch mehr als nur eine Ankündigung

Bei einem Preisversprechen wie diesem ist die Frage berechtigt, ob hinter dem Projekt tatsächlich ein echter Mobilfunkanbieter steht. Die Bundesnetzagentur liefert dafür einen wichtigen Beleg: Der Simsalasim Germany GmbH wurde der deutsche Mobilfunk-Rufnummernblock 015-333 zugeteilt.

Außerdem führt die Behörde Simsalasim mit der eigenen Mobilfunk-Netzkennung 262-26 und der Portierungskennung D469. Das zeigt, dass im Hintergrund konkrete technische und regulatorische Vorbereitungen laufen. Ein eigenes bundesweites Funkmastnetz betreibt das Unternehmen dennoch nicht. Nach übereinstimmenden Branchenberichten soll Simsalasim in Deutschland als virtueller Netzbetreiber auf Infrastruktur von Telefónica zugreifen.

Der entscheidende Punkt ist das Wort „unbegrenzt“

Ob der 10-Euro-Tarif wirklich so außergewöhnlich wird, entscheidet sich nicht allein an der Länderliste. Mindestens genauso wichtig ist das Kleingedruckte. Noch offen sind unter anderem:

  • Gibt es eine Fair-Use-Grenze?
  • Wird nach einem bestimmten Datenverbrauch gedrosselt?
  • Welche maximale Geschwindigkeit ist vorgesehen?
  • Ist 5G überall verfügbar oder teilweise nur LTE?
  • Gelten im Ausland dieselben Geschwindigkeiten wie in Deutschland?
  • Wie lange darf der Tarif überwiegend im Ausland genutzt werden?
  • Was passiert bei extrem hoher Datennutzung über mehrere Monate?

Dass diese Fragen wirtschaftlich relevant sind, zeigt schon der europäische Roamingmarkt. Nach der EU-Roamingverordnung liegt die regulierte Obergrenze für durchschnittliche Vorleistungsentgelte bei Daten-Roaming seit Januar 2026 bei 1,10 Euro pro Gigabyte. Das bedeutet nicht, dass Simsalasim diesen Betrag tatsächlich für jedes Gigabyte zahlt – individuelle Großhandelsverträge können anders aussehen. Es zeigt aber, warum ein globaler Unlimited-Tarif für zehn Euro nur mit sehr günstigen Einkaufsbedingungen und einer cleveren Mischkalkulation funktionieren kann.

Hotspot und Tethering könnten die wichtigste Einschränkung werden

Mehrere aktuelle Berichte nennen bereits eine mögliche Grenze: Das Smartphone soll demnach nicht als Router für Notebook oder Tablet genutzt werden dürfen. Ein solches Tethering-Verbot würde sehr datenintensive Nutzung deutlich erschweren und wäre aus Sicht des Geschäftsmodells nachvollziehbar.

Für Reisende, die lediglich mit dem Smartphone navigieren, streamen, Messenger nutzen oder Fotos hochladen, wäre das vermutlich verkraftbar. Wer dagegen im Ferienhaus oder Hotel sein Notebook über den Handy-Hotspot online bringen will, müsste genau hinschauen. Solange die offiziellen Tarifbedingungen fehlen, sollte dieser Punkt noch nicht als endgültig bestätigt gelten.

Warum der Tarif gerade außerhalb der EU interessant wäre

Innerhalb der EU ist Roaming bei deutschen Mobilfunktarifen längst weitgehend Alltag. Spannend wird Simsalasim deshalb vor allem dort, wo klassische Verträge häufig Zusatzkosten verursachen. Die Schweiz und die Türkei sind zwei besonders relevante Beispiele für deutsche Reisende. Auch USA, Thailand, Japan, Indonesien, Mexiko, Ägypten, Tunesien, Südafrika oder die Dominikanische Republik stehen auf der Datenliste.

Wenn die angekündigten Konditionen tatsächlich ohne versteckte Einschränkungen kommen, könnte der Tarif viele separate Reise-eSIMs überflüssig machen. Statt vor jeder Reise einen neuen Datentarif zu suchen, würde dieselbe eSIM in vielen Ländern weiterlaufen. Genau darin liegt vermutlich der größte praktische Reiz des Konzepts.

KI soll nicht nur Zusatzfunktion, sondern Kostenmodell sein

Simsalasim will sich nicht nur beim Tarif, sondern auch beim Betrieb von klassischen Mobilfunkanbietern unterscheiden. Hinrichs setzt nach bisherigen Berichten stark auf künstliche Intelligenz. Programmierung, Abrechnung, Marketing und Kundenservice sollen weitgehend automatisiert werden. Das Unternehmen arbeitet derzeit mit nur rund zwei Dutzend Beschäftigten, während monatlich ein hoher fünfstelliger Betrag in KI-Dienste fließen soll.

Auch auf Kundenseite sind KI-Funktionen geplant: Ein Assistent soll bei Telefonaten weitere Teilnehmer hinzuschalten, Gespräche mitschreiben oder übersetzen können. Solche Zusatzfunktionen sollen nicht im 10-Euro-Grundpreis enthalten sein, sondern separat bezahlt werden.

Fazit: Die Länderliste überzeugt – jetzt muss das Kleingedruckte folgen

Die neue Länderliste macht Simsalasim deutlich greifbarer. 101 Länder und Gebiete für mobile Daten, zahlreiche klassische Reiseziele außerhalb der EU und ein Preis von nur zehn Euro wären eine echte Ansage an Telekom, Vodafone, O2 und die etablierten Reise-eSIM-Anbieter.

Der entscheidende Test steht aber noch aus. Erst wenn Simsalasim die vollständigen Tarifbedingungen veröffentlicht, lässt sich beurteilen, wie „unbegrenzt“ die Datenflat tatsächlich ist. Geschwindigkeit, Fair Use, dauerhafte Auslandsnutzung und Tethering werden darüber entscheiden, ob aus dem spektakulären Versprechen ein dauerhaft attraktiver Tarif wird.


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Stefan Jäkel

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